Polyamorie – so schnell kann es gehen!

By | 20. März 2015

An einem geselligen Abend vor einiger Zeit hatte ich eine sehr interessante Diskussion zum Thema Polyamorie im Freundeskreis. Ein Beteiligter erzählte von seinen Eltern, die seit einigen Monaten diese Art zu leben ausprobieren.

Nach vielen Jahren Ehe verliebte sich sein Vater in eine weitere Frau. Und das stellte ihn vor ein großes Problem: Was sollte er nun tuen? Heimlich eine Afähre beginnen? Das kahm wohl nicht in Frage, er ist seiner Frau treu!
Sich für eine von beiden Frauen entscheiden? Auch das war keine Option. Also hat er beide Frauen damit konfrontiert. Mit Erfolg.

Die Meinungen dazu in der Runde reichten von „Toll, so muss das laufen“ über „Naja, wenn es funktioniert“ bis hin zu „Ich finde, so was geht gar nicht!“.

Wenn wir uns einmal in die Lage des zweifach Verliebten versetzen, welche Optionen haben wir?
Wir könnten Fremdgehen. Und damit die langjährige, eigentlich glückliche, Beziehung gefährden.
Oder man entscheidet sich für einen von beiden Partnern. Doch auch das kann ganz gewaltig nach hinten los gehen. Die Gefühle die man von die Person empfindet, die man verlässt können die eine Beziehung ruinieren.
Außerdem müsste man hier Menschen gegeneinander aufwiegen. Eine Sache die ich zu tiefst verabscheue. Und viele Andere auch.

Ich denke Er hat hier die einzig logische, wenn auch eine riskante, Wahl getroffen. Denn schlimmer als der Status-Quo kann es nur schwer werden.

Aus diesem Gedankenspiel entbrannte ein heftiger Streit zwischen einem anwesenden Pärchen, Christina* und Micha*. Während sie der Ansicht war, dass das durchaus eine Option ist, vertrat er den Standpunkt dass so was der Unträue gleich kommen würde.
Der Streit eskalierte, und sie fauchte ihn an: „Übrigens, ich habe mich damals entschieden, du oder Daniel*. Ich hätte vielleicht doch Daniel wählen sollen!“ – und er verschwand vor die Tür.

Nach ca 45 Minuten kam er wieder ins Wohnzimmer. Mit einer für uns alle sehr überraschenden Nachricht: „Daniel kommt gleich, gibt es hier einen Raum wo wir uns ungestört unterhalten können?“.

Die drei verbrachten bestimmt zwei Stunden im kleinen Büro nebenan. Es blieb ruhig. Also sie wieder zu uns stießen sahen alle sehr zufrieden aus. Was besprochen wurde, wollte man uns jedoch nicht sagen.

Gestern Abend habe ich Christina und Micha wieder getroffen. Daniel musste arbeiten, sonst wäre er vermutlich auch dabei gewesen.
Offensichtlich findet Micha die Idee der Polyamorie doch nicht so schlecht wie er an dem besagten Abend noch behauptete. Er erklärte, er habe keine andere Option für sich gesehen.
Seine Freundin die er liebt soll glücklich sein, dass sei ihm am Wichtigsten. Und er genießt es wohl auch, mit anderen Frauen zu flirten.

Diese beiden Fälle zeigen, wie es funktionieren kann. Doch natürlich braucht es mehr also nur das reine Einverständnis von allen Beteiligten, um erfolgreiche poylamore Beziehungen zu führen.
Nur mit echter Liebe, Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt kann diese Form des Miteinanders gelingen.

Falls ihr einmal in diese Situation kommen solltet, hier ein paar Erfahrungswerte und Tipps:

  • Sprecht mit euren Partnern. Informiert sie über neue Beziehungen. Nichts schürt Eifersucht mehr wie Unsicherheit.
  • Respektiert die Partner eurer Partner. Ihr müsst sie nicht mögen, aber versucht nicht sie schlecht zu machen. Läster nicht über sie.
  • Wenn ihr Eifersüchtig werden solltet, oder das Gefühl habt „zu kurz zu kommen“ – sprecht das an. Das ist nichts wofür man sich in einer solchen Beziehung schämen müsste. Und nur eure Partner können euch die Ängste die ihr habt nehmen.
  • Trefft klare Regelungen. So ist es z.B. sehr unterschiedlich ob Menschen exklusive Zeit mit einem Partner verbringen wollen, oder ob es auch OK ist, wenn andere Partner wärend „Besuchstagen“ vorbei schauen, anrufen, usw …
  • Tut euch und euren Partnern einen gefallen und beendet eine Beziehung lieber als euch zu quälen. Das hilft keinem und belastet.

 

Habt ihr ähnliche Erlebnisse und Erfahrungen? Verblogged es! Der Fall von Christina, Micha und Daniel zeigt mir, dass es da draußen Menschen gibt, die einen kleinen Schupser brauchen, um sich voll zu entfalten.
Falls ihr anonym bleiben wollt, könnt ihr auch eine mail an loki+polystory@lokis-chaos.de schicken, ich veröffentliche diese gerne anonym.

*Namen natürlich geändert 😉

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