Ich schäme mich für meine Partei

By | 30. August 2013

UPDATE: Leider scheint die Erwähnung von @_Rya_ hier von einigen Maskus-Spinnern und Idioten gleich wieder für ihren eigenen Zweck missbraucht. Ich distanzier mich von diesen Leuten und Aussagen. Ich habe niemals @_Rya_ angreifen wollen oder ihr gar Männerhass unterstellt. Wer dies ignoriert: Ihr könnt mich mal.

Es kocht mal wieder in der Piratenpartei. Wir hatten ja schon lange kein richtiges Gate mehr. Und jetzt musste ja wieder eines her. Natürlich möglichst nahe an der Bundestagswahl. Ja, ich spreche vom #om13gate. Normalerweise bin ich bei Gates oftmals gelassen. Diesmal bringt es mich in Rage. Wobei, nein. Nicht das Gate an sich. Vielmehr die Reaktionen darauf. Also die, auf das de-publizieren des Videos um das es ging.

Wer es nicht mitbekommen hat: Auf der #om13 gab es einen Vortrag über Hatespeech und #Aufschrei. In diesem Talk wurden unter Anderem auch einige Tweets inklusive Nicks und Avatare der Verfasser gezeigt. Kurz nachdem das Video im Netz war begannen einige Idioten sich darüber zu beschweren, dass man Sie an in dem Video zeigte. Manche drohten über das Urheberrecht ( schließlich sind viele Bilder und Fotos entsprechend geschützt, auch wen man sie als Avatar verwendet ), das Ding wieder aus dem Netz zu klagen.

Doch unter all den Spinnern war auch @ochdomino. Eine junge Frau, die wohl in einem Anflug von Wut, Begriffe wie „Hipstaa-Fötzchen“ verwendet hat. Die Kurznachrichten gaben aber keinerlei Aufschluss darauf, wieso und in welchem Kontext @ochdomino das sagte. Anders als bei vielen anderen Beispielen. Ich habe mir daher einmal auch ein paar andere Äußerungen von @ochdomino angeschaut, und war entsetzt. Nicht wegen dem was da stand, sondern wegen dem was da nicht zu lesen war. Nämlich dass was ihr implizit unterstellt wurde. Mit ihrer Erwähnung zwischen all den frauenverachtenden Gestallten, hat man Sie in die selbe Eckte gedrängt. Ja, sie mag feminismus-kritisch sein. Und weiter? Hat nicht jeder ein Recht auf seine eigene Meinung? Darf nicht gerade jemand, für deren Rechte gekämpft wird, sagen dass es Ihr nicht passt wie? Offensichtlich nicht.

Traurig daran ist, dass so etwas ausgerechnet in der Piratenpartei geschieht. Ihr erinnert euch: „Mehr Demokratie wagen“. Dazu steht die Aussage von @Faserpiratin in ihrem Talk in einem krassen Gegensatz: „Der Nachteil an Medienwirksamkeit ist halt, dass es immer auch die andere Seite gibt.“

Was dann, nach der Veröffentlichung des Videos, geschah war ebenso schlimm wie absehbar. Sie wurde von vielen Leuten hart angegriffen. Sie wurde belästigt und beleidigt. Eben genau dass, was der Talk eigentlich anprangerte. Mittlerweile hat Sie aus Selbstschutz den Blog geschlossen, und ihr Twitter-Profil auf privat gestellt.

Man kann nun sagen, die Menschen sind nun einmal so. Das ist auch richtig. Aber gleichzeitig gibt es den Gegnern der eigenen Bewegung natürlich jede Menge Kanonenfutter. In diesem Fall haben die „Maskus“ natürlich viel neue Munition. Es gibt ihnen mehr Argumente bei ihren Feldzügen gegen den Feminismus.

Wenn man dann darauf hinweist, dass das, was hier geschehen ist, nicht in Ordnung ist herrscht oftmals Unverständnis. Man dürfe ja nicht die Täter schützen. Aber genau das verlangt ja gar keiner. Alleine die Vorstellung, das jemand der den Feminismus in seiner aktuellen Form nicht unterstützen will kein Täter ist, scheint nicht vorhanden.

Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, wo diejenigen, die sich schützend vor @ochdomino stellen wollten, angegriffen und beleidigt werden. So unterstellt nonamemanon z.B. das sich diese Leute von den Maskulisten vor den Karren spannen lassen. Solche Unterstellungen weiße ich weit von mir. Schlimm daran auch, dass sich hier Landtagsabgeordnete, und Vorstände in diese Aussagen einreihen:
https://twitter.com/_Rya_/status/373383925286309888

Und wer dann auch noch versucht, den virtuellen Pranger, an welchen @ochdomino gestellt wurde, mit den sonstigen, durchaus relevanten Inhalten des Talks zu relativieren, hat die ganze Problematik nicht verstanden.

Auch andere Piraten-Kandidaten und Abgeordnete mischen fleißig mit, regen sich über die mittlerweile erfolgte de-Publizierung auf, und tuen alles, um möglichst viel Hass gegen alle Gegner der eigenen Meinung zu schüren. Und wohl kaum einer von diesen Leuten hat sich mit den Person, um die es hier geht, beschäftigt.

Bei so etwas schäme ich mich für die Partei in die ich so viel Zeit und Arbeit stecke, die mir so wichtig ist.

Aber all das lässt in mir eine Befürchtung aufkommen. Ich hatte die ganze Zeit wohl doch unrecht. Es gibt sie, die Feminismus-Extremisten*. Sie machen nur einen kleinen Bruchteil der Feminismus-Bewegung aus. Aber sie fügen dieser den größten Schaden zu. Wer nach dem Motto „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Und meine Feinde werde ich vernichten“ handelt ist, egal für oder gegen was er kämpft, einfach nur gefährlich.

Wir, als Piraten, sollten uns schnellst möglich von solchen Leuten verabschieden. Sie schaden uns. Und nützen wollen Sie nur sich selbst.Wie ich gestern schon auf Twitter schrieb:

Und noch schlimmer: Ich wollte hier noch vieles schreiben. Aber ich habe mich selbst zensiert. Warum? Weil ich Angst habe. Angst in das Fadenkreutz derer zu geraten, die der Ansicht sind, die einzig wahre Meinung ist die eigene.

*  ich meine das keineswegs positiv. Und wer mir nun Scheiße vor die Tür legen will: Adresse im Impressum.

12 thoughts on “Ich schäme mich für meine Partei

  1. Tetsuhara

    Ich habe das Ganze nicht von Anfang an, sondern nur in den letzten Tagen mitbekommen, weshalb ich mich nur auf das beziehe, was in diesem Zeitraum veröffentlicht wurde.

    Meiner Meinung nach haben sich beide Seiten falsch verhalten. Wer bei Diskussionen im Internet herabsetzende Bezeichnungen benutzt, muss sich nicht über entsprechende Reaktionen wundern.

    Andererseits geht es natürlich überhaupt nicht an, jemanden deshalb massiv zu mobben. Wenn es Leute in der Partei gibt, die nicht mal die einfachsten Regeln für den Umgang mit Andersdenkenden in einer freien Gesellschaft anerkennen, haben sie hier meinrr Meinung nach nichts zu suchen.

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  2. Go locker

    Du kennst die Texte dieser Frau offenbar nicht oder willst sie nicht kennen, weshalb sie in Deinem Blogeintrag auch quasi nicht vorkommen. Die Texte waren nicht nur „feminismuskritisch“, sondern ganz klar antifeministisch und haben mit dazu beigetragen, #aufschrei bei Twitter zu stören bzw. dort Öl ins Feuer zu gießen. #aufschrei wird bei Twitter seit Anfang an attackiert und diese Leute finden sich jetzt auch in #om13gate wieder. Benutze bitte den Google-Cache! Dort wirst Du Texte finden, bei der sich die Autorin vordergründig völlig neutral und reflektiert gibt, zur gleichen Zeit aber mit nur allzu „deutlicher“ Sprache Feministinnen ganz eindeutig angreift. „Hipstaa-Fötzchen“ ist da nur ein Beispiel, das @Faserpiratin völlig zurecht rausgegriffen hat.

    Es ist also völlig unnötig, dass Du Dich für Deine Partei schämst. Mit den Piraten hat das nichts zu tun, sondern eher mit Maskulisten bzw. Antifeministen, die keine Gelegenheit auslassen, um Gleichberechtigung zu torpedieren.

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    1. soulless

      Die grosse Frage aber ist ob es notwendig ist in einem Vortrag über Hatespeech Personen zu benennen.
      Man kann den Vortrag durchaus mit Beispielen würzen aber man kann diese Beispiele anonymisieren.
      Dieser Vortrag hat etwas von „Der / Die hat dies und jenes gesagt und ist darum $Etikett“.
      Ein Verhalten das bei so einigen sehr beliebt ist. Das hat nichts mit Politik 2.0 zu tun, das ist einfach nur Kindergarten und für eine Partei, in der sehr viele so handeln die sich als grosse Politiker aufspielen, muss man sich schämen.

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    2. Heiko

      Sorry, aber so wie die Beispiele präsentiert wurden, war es definitiv ein Pranger und so etwas gehört genau so definitiv nicht ins Jahr 2013 – und wenn, dann höchstens in Springers Kampfblatt mit den 4 Buchstaben und einem „B“ am Anfang!

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    3. Anonyme

      Ich bin leider sehr neu in dieser Diskussion. Wollte sie nicht einfach aussagen, dass es TEILWEISE widersprüchliches Verhalten gibt? Also quasi Gleichberechtigung fordern, aber selbst nicht ‚hart‘ arbeiten wollen, sondern lieber einen reichen Mann heiraten und dann doch nichts tun?

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    4. Hans Wurst

      Nichts davon ist illegitim. Nicht akzeptabel ist hingegen der erhobene Anspruch, Nichtanhänger, Kritiker und Gegner der eigenen Ideologie hätten zu schweigen oder stilistische Vorgaben der dieser Ideologie zu beachten. Dieser Anspruch ist autoritär und ohne jede Grundlage. Insbesondere findet er keine Begründung in ätherischen Ideen wie Gleichberechtigung, Weltfrieden oder Gottgefälligkeit, denn jede behauptete Verbindung zwischen einem geforderten Wohlverhalten und einer ätherischen Idee ist stets nur eine unüberprüfbare These.

      Kürzer und einfacher:
      Was Du sagst, ist außerhalb Deiner Subkultur belanglos. Was Du beklagst, ist außerhalb Deiner Subkultur erlaubt. Finde Dich damit ab.

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  3. no comment

    victim ?? (see timeline)

    https://www.facebook.com/dominika.nowakowska.7?fref=ts :

    Dominika Nowakowska
    28. August in der Nähe von Bydgoszcz
    Zamawiam pizze . Otwieram drzwi a tu kumpel haha !
    Auf Bestellung Pizza. Ich öffne den Tür und hier Freund: D Haha! (Übersetzt von Bing)
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    3 Personen gefällt das.
    Dominika Nowakowska
    vor 22 Stunden
    Bawimy się w Janowie : ) Urodzinowo !!
    Wir haben Spaß in Jonava) Urodzinowo! :* (Übersetzt von Bing)
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    5 Personen gefällt das.
    Sophie ‏@inkognito404 8h
    @kaymar_de sie hat um hilfe gerufen. gebettelt. und die piraten so: ’nööh‘ . ich hau hier gleich irgendwas um. gute nacht
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    Sophie ‏@inkognito404 8h
    @kaymar_de was wenn domino for nen zug springt was dann?! grosses „oooh hätten wir doch…“ piraten sind verbrecher! mörder!

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  4. mom

    verstehe nicht, warum hier auf sogenannte „maskus“ eingedroschen wird.

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    1. TheMalgot

      Strohmänner halt. Sind nicht wirklich da, kann man aber toll gegen argumentieren und für alles verantwortlich machen.

      Und was von der jungen Frau über Hipster-Fötzchen getwittert wurde: Das war wirklich noch niedlich. Zumindest hat sie niemanden mit Anders Breivik verwechselt. :3

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  5. Horst Schulte

    Ich finde diesen Beitrag wichtig. Ich glaube, dass es darum geht, sich mit Respekt zu begegnen und die Würde des anderen zu achten. Egal, welche Positionen eingenommen erden. Wenn dieses Agreement missachtet wird – und danach sieht es aus – haben alle verloren.

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  6. Thomas W

    “ Ich hatte die ganze Zeit wohl doch unrecht. Es gibt sie, die Feminismus-Extremisten*. Sie machen nur einen kleinen Bruchteil der Feminismus-Bewegung aus. Aber sie fügen dieser den größten Schaden zu. Wer nach dem Motto “Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Und meine Feinde werde ich vernichten” handelt ist, egal für oder gegen was er kämpft, einfach nur gefährlich.“

    Ich muss mal ehrlich sagen, dass ich seit langem etwas anderes als Extremfeminismus weder gehört noch gesehen habe. Dieses eine Bild der Femen, wo die gute Dame in der einen Hand die bluttriefende Sichel, in der anderen einen Hodensack hält, ist für mich inzwischen das Sinnbild des Feminismus geworden.
    Ich denke zwar tatsächlich, dass eine gewisse Zahl Feministinnen nicht so extrem ist, aber das Problem ist, dass sie bei den Verfehlungen ihrer Extremschwestern grundsätzlich die Klappe halten, was dann eben wie Zustimmung wirkt. Mein Verhalten gegenüber Frauen ist (trotz der Tatsache, dass ich schwul bin, allerdings nicht so heiteitei-mäßig, weswegen es nicht auffällt) inzwischen auch ein wenig absurd. Ich fahre zb. mit keiner Frau mehr alleine Fahrstuhl, außer ich kenne sie wirklich gut.
    Ich habe mich früher mal mit Feminismus beschäftigt, ich war sogar auf 4 Veranstaltungen, weil ich fands nicht uninteressant. Aber inzwischen sehe ich darin nichts gutes mehr, weil ich es mindestens mit Gewaltbereitschaft assoziiere. Ich würde niemals mehr eine feministische Veranstaltung besuchen oder unterstützen. Ich hätte da echt Angst.
    Wie gesagt, für mich ist das Hauptproblem, dass die Gemäßigten gegenüber den Extremen immer die Klappe zu halten scheinen weswegen es so wirkt, als seien Feministinnen grundsätzlich extrem/gewaltbereit und vielleicht auch bisschen mordlüstern. Das meine ich wirklich so: seit ich dieses Femenbild gesehen habe, zu welchem ich keine Feministin irgendwas wirklich klarstellendes gelesen habe, habe ich den Eindruck, recht viele Feministinnen hätten Lust auf die ein oder andere Kastration als Mittel politischer Zielerreichung. Und ich behaupte, nicht nur ich empfinde das so. Ich kann mir vorstellen, gerade auf das Feindbild Nr. 1 – weißer heterosexueller Mann, am besten mit Bausparvertrag und Familie mit 2 Kindern – kann das noch viel ängstigender wirken und daher noch viel mehr Abneigung bis hin zu blankem Hass erzeugen. Viele halten da nur die Klappe drüber, weil sie Angst haben vor zb. Frauenbeauftragtinnen, von welchen sie nicht wissen, ob die nicht mal gerne ein bisschen „des weißen Heteromannes Karriere ruinieren“ spielen wollen. Weil man auch das einfach zutraut inzwischen. Ich denke, mit Fairness und Gewaltlosigkeit wird Feminismus heute nur noch aus den eigenen Reihen aussoziiert.

    Ein anderer, aus Überdruß-Gründen zunehmend irrelevant werdender Punkt ist für mich, dass auf feministischen Blogs kritische Nachfragen, Anmerkungen etc. – seien sie noch so neutral formuliert – nicht durchgelassen werden. Diese Form der Diskussionsverweigerung ist glaube ich auch ein Eindruck, den viele dem Feminismus inzwischen als Standard zuschreiben und daher (im Grunde geschichtsfälschend) davon ausgehen, dass Feminismus schon immer so gewesen ist und diese Verweigerungshaltung also Wesensmerkmal der ganzen Sache ist. (ich habe das sogar an einer ehemals guten Freundin festgestellt, die ich wegen ihrer undogmatischen Art sehr gemocht habe; inzwischen ist sie wie eine Kaderelse, es gibt nur noch eine zugelassene Meinung, alles andere ist irgendwie psychopathologisch erklärbar, selbst die Abneigung gegen heutigen Feminimus oder Feminismus allgemein; es ist unmöglich, neutral oder abneigend gegen Feminismus zu sein, ohne eine tiefe psychologische Störung unterstellt zu bekommen, gerne auch per Ferndiagnose; deswegen verweigern sich Nichtmacher auch zunehmend der Diskussion).
    An diesem Punkt der „totalen Indiskutabilität“ gibt es daher glaube ich auch viel Furcht seitens von Menschen, die viel Wert auf demokratische Verhältnisse legen, welche sie mit dem Feminismus nicht verbinden. Wenn ich ehrlich bin, kann ich das inzwischen verstehen.

    Das Problem ist wirklich, dass die gemäßigten Feministinnen grundsätzlich zu allen Schandtaten ihrer Extremschwestern die Klappe halten, weswegen man „von außen“ gar nicht glaubt, dass es überhaupt Gemäßigte gibt. Man hat daher den Eindruck, jede beliebige Schandtat würde toleriert oder gar unterstützt. Und aus der Piratenpartei habe ich bisher fast nur solchen Welpenschutz-Extremismus in Sachen Feminismus mitbekommen, was ein Grund ist, diese Partei nicht zu wählen.

    Ich finde das durchaus sehr schade, aber ich denke, der Zug ist abgefahren.

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