Ich bin ein Raubmord-Kopierer

By | 28. Mai 2013

Ich oute mich hiermit: Ich bin einer von den bösen Schwerverbrechern, die sich Musik und Filme illegal kopieren. Ich bin einer von den Menschen, die die Künstler um Millionen bringen. STOPP! WAIT! Bin ich das?

Nein!

Ich kopiere mir des öfteren Musik. „Illegal“. Von Freunden und im Internet. Aber nicht weil ich keinen Bock habe, Geld für die Musik auszugeben. Auch nicht, weil es mir einfach egal wäre, ob die Künstler Geld bekommen oder nicht. Nein.

Ich geh verdammt gerne ins Kino. Auch Konzerte besuche ich so oft es mir möglich ist. Und CD’s / DVD’s / BluRays hab ich auch gerne im Original.

Warum tue ich es dann?
Ich kopiere, weil dies für mich oft die einzige Möglichkeit ist, in den Genuss von dieser Form von Kultur zu gelangen.

Wenn ich Raubmordkopiere hat keiner auch nur einen Cent an Einnahmen verloren. Wenn ich kopiere beraube ich keineswegs irgendjemand um sein Eigentum oder seine kreativen Erzeugnisse. Denn kaufen könnte ich die Produkte nicht. Nicht im Laden im Original. Und auch meist nicht online.

Letzteres scheitert jedoch nicht alleine auf Grund meiner Liquidität. Es ist viel banaler: Ich besitze nicht ein DRM-Fähiges Gerät. Ich nutze seit fast einem Jahrzehnt kein Windows mehr. Mein Smartphone ist eigentlich ein OpenMoko mit einem Linux-basierten OS. Und der MP3-Player ist ein simples Gerät, ohne Schnickschnack. Ohne DRM. Das einzige Gerät was irgendwas von DRM weis ist eine alte, gebrauchte, PS3 für die BluRay Wiedergabe. Damit fallen für mich alle größeren Dienste flach:

  • Spotify kann ich nicht offline nutzen, Musik nicht auf den MP3 Player kopieren
  • Maxdome und Co haben aus DRM-Gründen keinen Linux-Support
  • Als Gothic-Fan fällt Radio für die Musik aus
  • Privat-Fernsehn haben ich nicht.

Gerne würde ich mehr Musik und Filme zu fairen Preisen kaufen, oder digital mieten. Doch das ist in Deutschland nicht möglich. Zum einen bewegen sich die Preise online nahe denen für ein gepresstes Medium, inklusive Vertrieb und Verpackung. Und das obwohl hier nahezu keine Vervielfältigungs-Kosten entstehen. Und DRM macht das Nutzen mit alternativen und freien Betriebssystemen unmöglich. Übrigens nicht, weil DRM unter Linux nicht funktionieren würde. Nein, weil die Content-Mafia behauptet, da Linux Open-Source ist, wäre DRM dort nicht sicher.

Ich beraube Künstler ihrer Grundlage sagen manche. Sie verdienen wegen Filesharer wie mir so wenig Geld. Aber gerade mal 20% gehen bei einem CD-Kauf an die Künstler. Der Rest versackt bei Händler und vor allem den Labels. Ich bin kein Experte in dem Bereich. Aber Bruno Kramm kann als Künstler hier viel Licht ins Dunkel der Urheberrechts-Problematik bringen.

Dann müsste ich auf Musik und Filme eben verzichten sagen andere. Sie vergessen dabei aber, wie wichtig z.B. Musik für den Menschen ist. Sie ist ein Teil unserer Kultur. Sie hat uns von Urzeiten an begleitet. Und jeder Mensch braucht Zugang zur Kultur. Jeder hat ein Recht auf kulturelle Teilhabe. Es ist wichtig für uns Menschen. Für unsere Psyche, für unsere Bildung.

Ich will hier keineswegs das Massenweise kopieren von Musik, Filmen und Spielen rechtfertigen. Aber ich  gehe davon aus, bei einigen bin ich mir sicher, das es Künstlern wichtig ist, wenn ihre Musik gehört wird, oder der Film geschaut wird. Und, wie es jeder vernünftige Fan und Liebhaber tuen sollte, kaufe ich mir die Originale sobald es mein Geldbeutel erlaubt. Ich besuche die Konzerte. Oder ich gehe ins Kino.

UPDATE: Bitte beachtet die Kommentare. Da ist noch viel zu dem Thema, was ich hier nicht ausgeführt hatte. Danke Löffel, für die konstruktiven Fragen!

7 thoughts on “Ich bin ein Raubmord-Kopierer

  1. Löffel

    So, da bin ich. 🙂
    Dann frage ich dich hier nun erneut: wieso bist du davon überzeugt, dass du dir einfach nehmen darfst, was du nicht bezahlen kannst?

    Versteh mich nicht falsch, ich bin kein Piraten-Gegner, im Gegenteil. Aber mir kommt es total spanisch vor, wenn Rechtsräume unterschiedlich behandelt werden.

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    1. Loki Post author

      Hey Löffel,

      ich bin keineswegs davon überzeugt, das ich mir einfach alles nehmen darf was ich nicht bezahlen kann. Mir ist voll bewusst, das ich gegen geltendes Recht verstoße, und nur zu gerne würde ich meine Musik auf legalem Weg erwerben. Auch Modelle wie Spotify wären toll, wenn sie ohne das DRM, bzw auch für mich mit Linux Systemen zugänglich wären. Leider ist hier DRM die Bremse. Ich greife übrigens auch gerne auf CC Werke zurück, sofern verfügbar.

      Aber ich füge keinem Schaden zu. Wir unterhalten uns schließlich nicht über eine CD die ich im Laden stehle. Hier entstehen Verluste. Denn die CD ist weg, und kann nicht mehr verkauft werden. Ich kopiere Daten.

      Vor einiger Zeit habe ich versucht ohne die Musik zu leben. Doch, so blöd das auch klingen mag, ist es für viele Menschen nicht möglich. Musik ist wichtig für unser Wohlbefinden.

      Ich versuche, wie beschrieben, so viel wie möglich Originale zu erwerben. Es gibt auch andere, die aus Prinzip keine Musik kaufen. Das finde ich persönlich unmöglich.

      Wenn die Möglichkeit des DRM freien Erwerbs zu Preisen, die unter denen einer gepressten CD liegen, endlich möglich wäre, würden mehr Menschen sich Kultur leisten können. Und ich könnte ohne schlechtes Gewissen die Musik meines Geschmacks auf meinem MP3 Player hören.

      Es soll keine Rechtfertigung oder gar eine Ausrede sein. Es ist ein Problem mit dem aktuellen „Kultur-Markt“, DRM geprägt, mit hohen Preisen, zur Gewinnmaximierung der Verwerter, wie ich es empfinde. Und das Filesharing ist max. eine Krücke.
      Eine schlechte, zugegeben. Aber ich musste mich zwischen einem Leben ohne Musik und Unterhaltung, und dem Raubmordkopieren entscheiden. Und das habe ich getan. Ich stehe dazu. Und dennoch ist es Schade. Für die Künstler und die Nutzer.

      PS: Ich nutze Spotify online. Und höre da, werbepowered meine Musik. Auch wenn ich sie bereits geladen oder gekauft habe.

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  2. Löffel

    Danke für deine ausführliche Antwort!
    Okay, damit das nicht zu weit ausartet, greife ich mal einen Satz auf: „Aber ich füge keinem Schaden zu.“

    Jetzt stell dir mal folgende Situation vor:
    Du bist jemand, der irgendein Produkt, sagen wir mal, einen „Knarlf“ verkauft. Du hast den „Knarlf“ selbst entwickelt und hergestellt und vertreibst ihn auch selbst. Davon lebst du, denn du bist freier „Knarlf-Schöpfer“. Nun ist es so, dass dieser „Knarlf“ in beliebiger Menge reproduziert werden kann, dafür muss er nur einmal von jemandem gekauft werden und schon kann er den „Knarlf“ teilen und verbreiten. Dieser jemand hat einen anderen Job und verdient im Büro sein Gehalt, ist demzufolge nicht darauf aus, Geld mit dem Teilen und Verbreiten seines gekauften „Knarlfs“ zu verdienen. Und `ne Menge anderer Leute sind ganz scharf auf den „Knarlf“. Sie könnten ihn zwar von dir kaufen, aber für den einen sind 30 Euro zu viel Geld, der nächste würde maximal 10 Euro dafür zahlen und wieder ein Anderer möchte gar nichts dafür ausgeben, weil ihm der „Knarlf“ eben nichts wert ist.
    So. Nun stehst du da mit deinen „Knarlfs“ und direkt neben dir steht dein ehemaliger Kunde, der deine „Knarlfs“ an alle, die einen haben wollen, verschenkt.

    Was denkst du, wie viele Kunden greifen bei dir zu? Und wie viele lassen sich den „Knarlf“ lieber schenken? Was denkst du, wie lange wirst du deine „Knarlfs“ überhaupt noch verkaufen? Was denkst du, wie lange du davon noch dein Leben finanzieren kannst? Und was glaubst du, wie lange es dauert, bis du deinen Beruf aufgeben musst, um irgendeinen Job anzunehmen, der dein Überleben sichert?

    Und bitte argumentiere nicht damit, dass es (ich beschränke mich mal auf Musiker und CDs bzw. mp3s) für Künstler ja die Gema und die Verlage und die Händler gibt. Die gibt es für etablierte Künstler und die leben von den Zeiten, als sie noch nicht darauf angewiesen waren, Konzerte zu geben, um überhaupt etwas mit ihrer Musik zu verdienen bzw. es sich leisten zu können, noch neue Alben aufzunehmen und zu veröffentlichen.

    Und meine ganz entscheidende Frage an dich: wenn du sagst, dass du dir das alles sowieso kaufst, wenn du Geld hast: WARUM kaufst du es nicht erst dann, WENN du Geld hast. Damit würdest du es doch auch besitzen.

    Man kann doch nicht hingehen und sagen: „Das ist unfair, das ist zu teuer. Darum zahle ich das nicht. Und ich warte auch nicht, bis ich das Geld dafür habe. Ich will es jetzt und nehme es mir einfach.“

    Das ist nämlich vor allem unfair gegenüber denen, die den Wert eines Kulturgutes so schätzen, dass sie ggf. darauf sparen und es sich mit Bedacht leisten.
    Was kostenlos angeboten wird, verliert an Wert, der Respekt nimmt ab und auch das Interesse. Das ist mit jeder Ware so – ganz einfache Wirtschaftsphilosophie, die seit Menschengedenken auf jedes Gut – auch Kulturgut – angewandt werden kann.

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    1. Loki Post author

      Der Vergleich mit dem „Knarlf“ hingt etwas, nicht zuletzt weil es, auch wenn unendlich reproduzierbar ist, nicht direkt mit den Kulturgütern vergleichbar ist. Dass Filesharing im Allgmeinen übrigens nicht die Güter entwertet, sondern im Gegenteil den Absatz fördert, zeigen Studien, wie diese.

      Auch vermischt du hier zwei Dinge. Ich beziehe diese Musik. Ich verbreite sie nicht öffentlich.

      Aber gehen wir von dem Szenario aus.
      Die massenhafte Verbreitung des „Knarlf“ würde den Wert nur bedingt drücken (Wer will schon ein Plagiat wenn er sich das Original leisten kann?). Kunden, die gerne weitere Erfindungen von mir kaufen wollten, müssten dafür sorgen, das die Mittel da sind. Und das geht nur durch den Kauf. Es bleibt aber das Problem, das der Zugang zu diesen „Knarlf“ für viele nur über die kostenlose Variante möglich ist. Ohne Förderung des Erfinders. Idealer wäre ein Weg, bei dem jeder einen „Knarlf“ bekommen kann, und ich, als Schöpfer, dennoch davon profitiere.
      Eine, auch bei den Piraten, diskutierten Lösung wäre die Kultur-Flatrate. In diesem Falle eine Forschungs- oder Entwicklungs-Flatrate. Jeder Bürger zahlt in diesen Topf. Und jeder Entwickler würde, entsprechend der Verbreitung seines Erfindung, Anteile bekommen. Dies wäre ein Szenario, mit dem jedem der Zugang zu diesen Dingen ermöglicht werden würde.

      Zu deiner letzten Frage:

      Es ist nicht so leicht darüber zu reden, aber zur Zeit kann es Monate dauern bis ich mir auch nur eine Single leisten kann. Warum ist nicht relevant, aber trotz Arbeit erdrücken mich momentan Ausgaben. Wenn die Möglichkeit besteht besuche ich ein Konzert. Die Musik dort kann ich nicht mitnehmen, aber es landet in der Regel mehr beim Künstler, als bei einem CD-Kauf. Bei Kinofilmen kann ( und ja, will ) ich nicht die Katze im Sack kaufen. Ist ein Film gut, und ich bin flüssig, gehe ich ins Kino, egal ob ich ihn vorher gesehen habe oder nicht. Ich warte, wenn der Erwerb absehbar ist. Aber oft ist das nicht der Fall. Musik fängt mich auf. Sie hilft mir, trotz meiner Situation, weiter zu Leben. Nicht in tiefe Depressionen zu verfallen ( wie ich sagte, ich habe es probiert ) und ist deswegen für mich so wichtig, das ich sie fast mit Brot und Wasser vergleichen würde. Das eine ist Nahrung für den Körper, das andere für den Geist.

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  3. Olaf Nensel

    Hallo Thomas, vielen Dank für Deine mutigen und offenen Worte. Welch eine schizophrene Welt, in der wir inzwischen Leben. Das Recht sollte ein Abbild herrschender Wertvorstellungen und Normen der Gesellschaft sein. Auf dem Gebiet des Urheberrechts fehlt diese Übereinstimmung fast vollständig. Welcher Teenager hat keine raubkopierten Musiktitel oder Filme? Das 150 Jahre alte Urheberrecht dient nur noch am Rande dem Zweck, für den es einstmals geschaffen wurde, dem Broterwerb der Künstler. Ich wünsche mir Gesetze, die von den Menschen ganz selbstverständlich geachtet werden, weil sie einen fairen Ausgleich verschiedener Interessen schaffen. Viele Grüße, Olaf

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  4. loZ DiGloZ

    Wie wäre es, einen fähigen Player zu erwerben um dann damit Musik zu hören? Es liegt ja nur an dir, wenn du dich anpassen würdest, wäre es auch dir möglich die Musik zu hören.

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    1. Loki Post author

      Ich glaube du hast meinen Text nicht gelesen 🙁
      Wenn es mir nicht möglich ist, eine Single zu kaufen, wie soll ich dann einen DRM-Player erwerben?

      Und wenn wir mal den finanziellen Aspekt ignorieren: Ich unterstütze freie, offene Software. Auf Solcher wird, wenn es nach der Content-Industrie geht, jedoch nie DRM verfügbar sein. Ich bin nicht gewillt mir ein Windows zu kaufen, selbst wenn ich es könnte. Und mit einem Linux bekomme ich keinen DRM Player bespielt.

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