Der Piraten Burnout

By | 15. Oktober 2013

Machen wir uns nichts vor, die Partei brennt aus. Aber nicht weil unsere Wahlergebnisse viele Erwartungen nicht erfüllt haben. Auch nicht wegen der bösen Presse oder anderen immer wieder so oft genannten Gründen.

Nein, die Partei brennt aus, weil ihre aktiven Mitglieder ausbrennen. Gerade in den Kern-Bereichen wie der Finanzverwaltung und der IT gibt es nur wenige, wirklich aktive Piraten. Und diese arbeiten weit über jede menschliche Belastungsgrenze hinaus um das fehlende Personal auszugleichen.
Dass das nicht gut gehen kann, sehe ich in der Bundes-IT. Von der kleinen Kern-Gruppe fallen regelmäßig Leute aus, weil sie nicht mehr können. Es ist ein ständiger Kampf gegen den absoluten Burnout. Bei unseren Finanzpiraten und in anderen Bereichen sieht es mit Sicherheit auch nicht viel anders aus.

Und natürlich gibt es auch erhebliche Probleme für die Vorstände. Diese müssen sich neben ihren eigentlichen Aufgaben oft um $Dinge kümmern, für die einfach die (wo)manpower fehlt.

Da wir viele Zahlen-Fetischisten haben, habe ich hier ein paar für euch. Der durchschnittliche Arbeistag eines Ehren-Amts Piraten setzt sich i.d.R. zusammen aus 8 Stunden bezahlter Arbeit und 8 Stunden Ehrenamt. An den arbeitsfreien Tagen sind es dann gerne mal 12 Stunden Ehrenamt und mehr.

Und als Dank dafür, dass man sich die Gesundheit ruiniert und die gesammte Freiezeit opfert, um die Partei am funktionieren zu halten, bläßt einem regelmäßig einen Shitstorm um die Ohren.

Schaut man sich die Kandidaten-Liste für den neuen Bundesvorstand an, sieht man klar, dass es nur noch wenige Leute gibt, die Lust haben sich die Arbeit ans Bein zu binden. Verständlich.

Wenn das so weiter geht ist die Partei bald am Ende. Nicht weil ihr die Themen ausgehen, sie sich total zerstritten hätte, oder uns keiner mehr Wählt. Schlicht und ergreifend weil sie Arbeitsunfähig ist. Wenn sich keiner mehr um die Buchhaltung kümmert, wir keinen kompletten Vorstand zusammen bekommen und die IT stirbt, weil keine Admin mehr verfügbar ist. Dann ist das Experiment vorbei.

Es gäbe ein Mittel dagegen, aber dazu fehlen uns: die Mittel. Wir benötigen dringend Personal in den Kernbereichen, jedoch fehlt uns das Budget um ausreichende Stellen zu schaffen. Wir benötigen eine Assistenz für den Vorstand, Buchhalter, und Admins. Wenn diese Stellen geschaffen und besetzt sind, wäre mehr bezahlte Pressearbeit gut.

Aber das können wir aktuell nicht finanzieren. Von ~30.000 Mitgliedern hab gerade mal 37% ihre Beiträge bezahlt. Auch an Spenden fehlt es. Und das liegt nicht daran, das Piraten nicht spenden würden. Vielmehr an dem andauernden Aktionismus. Es wird ständig irgendwo irgendeine Pledge für irgendwas eröffnet. Nur nicht für die wichtigen Dinge.

Auch unsere Abgeordneten sollten sich Gedanken machen, ob ihr aktuelles Spendenverhalten das richtige ist. Klar sind die Abgeordneten nicht verpflichtet der Partei zu spenden. Natürlich ist es legitim wenn sie an andere Organisationen spenden. Aber das bringt alles nichts, wenn die Partei den Bach runter geht. Viele helfen, z.B. über höhere Mitgliedsbeiträge. Andere nicht.

Wollt ihr das die Partei weiter arbeiten kann? Das wir die nächsten Jahre noch viele Mandate, Kommunal und auf Länderebene holen können? Das wir es 2017 mit voller Kraft wieder in einen Bundestagswahlkampf ziehen können? Dann hilft nur eins: Treibt Geld auf.

Zahlt eure Mitgliedsbeiträge, Spendet online, macht Zielgerichtete Pladges oder bringt euch mehr ein.

Eines ist klar: So kann es nicht weiter gehen. Und ob es weitergeht hängt nur an euch.

PS: Online Spenden geht ganz einfach: Hier: http://spenden.piratenpartei.de/ und eure Mitgliedsbeiträge könnt ihr da auch bezahlen.

3 thoughts on “Der Piraten Burnout

  1. samy

    Sicher hast du recht – aber wir scheinen nicht zahlende Mitglieder nicht zu erreichen.
    Die Aktiven haben im Wahlkampf und auch davor so viel eigenes Geld „zugeschossen“, dass bei Vielen nichts mehr geht.
    Finanziell sehe ich keine Lösungsansätze.
    Von Idealismus kann man niemanden bezahlen.

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  2. MGrie

    Ein Teufelskreis.
    Wer weiß wirklich, wie viel Kraft, Zeit und Geld diejenigen investiert haben, bis sie irgendwo ein Mandat erringen konnten? Was bei ihnen privat dabei .. „den Bach runter gegangen“ ist?
    Wer weiß, was sie aushalten mussten im Sinne von (Freund-Feind-Parteifreund)?

    Wenn sie nun noch bereit sind, den Piraten Geld zu spenden, dann ist ihnen das hoch anzurechnen.
    Was tun wir? Wir machen eine Pflicht draus und treten nach.
    Wer weiß, was sie sich heute noch anhören dürfen (ach, von den Piraten bist du… *GGG*).
    Und wir schämen uns nicht, wir shitstormen und pöbeln weiter.

    Groß ist das Geschrei, wenn irgendwas bei der IT nicht klappt. Oder einer, der sich das übergeholfen hat, mit dem Buchen nicht zurechtkommt.
    „Wieso??? Du hast Dich doch dafür gemeldet?“
    Niemand springt ihnen zur Seite. Wohl auch deshalb, weil die, die auf die Idee kommen, sich grundsätzlich so verhalten. Sie packen an, wo es was anzupacken gibt.
    Während der Rest „Kritik übt“ und stolz darauf ist.

    Und die anderen wissen nicht, wo sie anfangen sollen.

    Denn…. eigentlich bin z.B. ich Pirat geworden, weil ich mich – mit den Grundsätzen der PP, so wie ich sie verstanden habe und hinter denen ich stehe – in die Politik einmischen, wollte daran arbeiten, dass Verwaltung transparenter wird.
    Dazu komme ich kaum noch. Weil all das Andere meine Kraft frisst.

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  3. Fidel

    (Totale) Basisdemokratie ist ein Irrweg. Der Schwarm ist ’ne faule Sau. Wo jede Ausnahme von nicht-bezahlter Arbeit zu einem Aufschrei der ach so „mächtigen“ Basis führt, ist kaum eine(r) bereit, sich dauerhaft aufzuopfern. Und Anerkennung kann mensch sich in dieser Partei sowieso an den Hut stecken.

    Ich bin dann mal weg…

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