GDL Streik – Kampf für Demokratie

By | 6. November 2014

Die GDL bestreikt die Deutsche Bahn. Und wird dafür von allen Seiten angegriffen. Als Idioten, Machtgeile, Egoisten, Asoziale und Arschlöcher werden die Streikenden beleidigt. Dabei kämpfen diese nur für ihr Recht. Und für unseres!

Es geht bei den Streiks im Moment gar nicht um Geld oder Arbeitszeiten. Es geht viel mehr um das Grundlegende Recht der GDL für ihre Mitglieder Tarifverträge abschließen zu dürfen. Die Bahn will der Gewerkschaft nicht erlauben für Zugbegleiter und andere Arbeitskräfte, mit der Ausnahme von Lokführern, Tarifverträge abzuschließen. Dieses Recht leitet sich aus dem Artikel 9 des Grundgesetzes her.

[…] (3) Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig. […]

Das Argument der Bahn, man wolle eine Tarifeinheit und deswegen könne nur ein Tarifvertrag für jede Berufsgruppe geben, ist Blödsinn. Bereits 2010 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass die Tarifeinheit keine rechtliche Grundlage hat.

Würde die GDL klein beigeben, hätte die Bahn gewonnen. Ein Konzern hätte damit das Grundgesetz ausgehebelt. Das darf nicht passieren! Diese Macht darf kein Konzern haben. Der Arbeitskampf der GDL ist daher ein Kampf für unsere Demokratie. Eine Niederlage bedeutet einen weiteren Schritt in die Richtung einer Wirtschafts-Diktatur.

Also wird gestreikt. Was viele aufregt weil sie zu spät zur Arbeit oder nach Hause kommen, weil die verbleibenden Züge zu voll sind, oder weil das ja einfach asozial sei. Andere argumentieren man könne ja kürzer streiken. Oder wenigstens so, dass es nicht so viele Leute betrifft. Aber genau das hat die GDL doch schon getan:

  • 01.09.2014 18:00 – 21:00
  • 06.09.2014 06:00 – 09:00
  • 07.10.2014 21:00 – 08.10.2014 06:00
  • 15.10.2014 14:00 – 16.10.2014 04:00
  • 17.10.2014 15:00 – 20.10.2014 04:00 – Güterverkehr
  • 18.10.2014 02:00 – 20.10.2014 04:00 – Personenverkehr

In der Pressemitteilung zum ersten Streik wird der Zeitpunkt noch wie folgt begründet:

[…] Mit dieser Streikzeit berücksichtigt die GDL die vielen Wochenendreisenden, die während des ersten Wochenarbeitstages die Eisenbahnen nutzen. Außerdem wird damit auch jenen Pendlern Rechnung getragen, die am Tage ihrer Arbeit nachgehen. Der erste Streik soll im Schwerpunkt den Güterverkehr treffen, weniger die Fahrgäste, um die sich die DB AG offensichtlich kaum Sorgen macht. Das Zugpersonal tut dies hingegen und tritt deshalb erst zu diesen schwächeren Verkehrszeiten in den ersten Warnstreik. […]

Die Eskalation der Streiks ist sicherlich nicht angenehm, aber unvermeidbar. Welche anderen Mittel bleiben der Gewerkschaft sonst noch gegen die Deutsche Bahn?

Die Bahn derweil stellt sich quer. Möglicherweise ist der wahre Grund für das Verhalten der Bahn ja gar nicht der zweite Tarifvertrag, sondern dass sie die zweite Gewerkschaft, die EVG, nicht schwächen möchte. Diese hat sich nämlich in der Vergangenheit als ein nützliches Werkzeug erwiesen. Sie macht nämlich ganz gerne mal tolle Lobbyarbeit für die Positionen der Deutschen Bahn, z.B. bei dem Thema „Trennung von Schiene und Zugverkehr“.

Wer unbedingt meckern, schimpfen und beleidigen will, der Bahnvorstand wäre das bessere Ziel.

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