Internet, Peering und QoS für Dummies

By | 25. April 2013

Da leider bei vielen Gegnern der Netzneutralität und Befürwortern der Telekom Drosselpläne der tiefere Einblick in die Technik fehlt, habe ich @Pixeloekonom versprochen, das mal einfach zu erklären. Hiermit löse ich das Versprechen ein.

Ganz wichtig für alles folgende ist, das man das Prinzip des Peerings verstanden hat.
Das Internet ist ein Zusammenschluss von vielen Teilnetzen, den Autonomen Subnetzen. Zwischen diesen Netzen findet ein Austausch von Daten statt, das sogenannte Peering. Da das Internet nicht linear, sondern eben Netzförmig aufgebaut ist, gibt es viele Peering-Punkte.
Möchte nun ein Paket von Provider A zu Provider C, ermittelt ein Routing-Protokoll den aktuell besten Weg. Dieser kann über ein direktes Peering zwischen A und C laufen, oder belibig viele andere Netze.
Kaufmännisch gibt es hier mehrere Praktiken zur Abrechnung.

  • Es gibt eine direkte Verbindung zwischen zwei Netzen. Dies nennt man Transit. Hier vereinbaren die Provider wer welche Datenmenge in das Netz des anderen schicken darf. Und ab wann es Geld kostet. Oftmals wird der Traffic in beide Richtungen verrechnet, so das keine Kosten entstehen.
  • Das Peering findet in einem öffentlichen Peering-Point statt ( IXP, Internet Exchange Point ). Hier zahlen alle Netzbetreiber jeweils nur ihre physikalische Anbindung. Der Datentransfer in alle Netze ist kostenfrei.

Diese Vermittlungspunkte werden oft auch Backbones genannt.

Die Netzneutralität beschreibt nun ein Prinzip, bei dem alle Datenpakete, egal aus welchem Netz sie kommen und in welches sie wollen, von den Netzbetreibern immer gleich behandelt werden. Dies stellt sicher, das niemand, weder der Anbieter von Diensten, noch deren Nutzer, benachteiligt wird.

Nun gibt es das Argument der Echtzeit-Anwendungen, deren Daten man ja anders Behandeln müsste als normale Pakete. Dies wäre schlüssig, wenn es denn Engpässe im Internet gäbe, was aber auf Grund des Aufbaus und der mehr-maschigen Verbindungen zwischen den Netzen nicht der Fall ist. Es gibt in Deutschland erhebliche Mengen an freien Backbone-Kapazitäten.
Für wirklich kritische Verbindungen, wie z.B. bei „Remote-Operationen“ in Krankenhäusern, stehen alternative Wege bereit. Eigene Direktverbindungen zwischen den Orten sind genauso möglich, wie die Nutzung von Technologien wie z.B MPLS. MPLS ermöglicht die Kommunikation von Punkt zu Punkt auf einem Fest definierten Weg im Internet. Diese Kommunikation kann losgelöst von der restlichen Internet-Kommunikation behandelt werden.

Außerdem könnte man mit Hilfe von QoS-Technologien (Quality of Service) ein bestimmtes Protokoll, z.B. Voice Over IP, höher Priorisieren. Jedoch müssten sich hier die beteiligten Provider untereinander einigen.

Die Pläne der Telekom haben, nach dieser Beschreibung betrachtet, eigentlich eher Nachteile also Vorteile:

  • Da ein DSL-Kunde mehr Daten empfängt als verschickt, ist der eingehende Traffic an den Transits geringer. Somit könnten hier Einnahmen wegfallen.
  • Andere Netzbetreiber haben ein geringeres Interesse an einem Peering mit dem nicht ausgebauten Netz.

Da jedoch die Telekom bereits angekündigt hat, das man als Dienste-Anbieter bei der Telekom über eine Partnerschaft als „Managed Service“ behandelt werden könne, und somit ungedrosselt seine Daten an die Kunden übermitteln kann, liegt der Verdacht nahe, das die Telekom hier, auf Kosten der Kunden und Dienstleister, zwei mal bezahlt werden möchte.

Ich hoffe ich habe etwas Licht ins Dunkel gebracht. Fragen und Anregungen gerne in die Kommentare.

One thought on “Internet, Peering und QoS für Dummies

  1. Arnold Schiller

    Probieren wir es mal mit Dummies. Wir müssen uns das Internet zunächst einmal irgendwie vorstellen, abgesehen jetzt mal von den Routen und den Zustellungen wie Postpakete, ihr kennt das mit der Sendung mit der Maus mit Armin Maiwald, wo er Euch das mit den Adressen und den Postpaketen erklärt. Das ist die eine Analogie vom Internet, wie die einzelnen Datenpakete von A nach B transportiert werden. Darüber hinaus haben wir die Leitungen über die diese Datenpakete wandern. Die müssten wir uns jetzt wie Wasserrohre vorstellen. In alten Zeiten hatten wir ganz dünne Wasserrohre und Wasserhähne ala Modems, die diese dünnen Leitungen aufgemacht haben. Da haben sich Universitäten verbunden, dass sie so einen Wasserhahn aufgemacht haben und das Wasser durch eine dünne Leitung zur Universität geschafft haben. Eine Leitung war dann mal hin und eine Leitung für zurück mit irgendwas um die 2800 Baud. Irgendwie war es da geschickter eine Standleitung dann aufzubauen, was zunächst nichts anderes war als ein Modem, das die Leitung die ganze Zeit offen lies. Und so entwickelte sich Stück für Stück ein Leitungsnetz irgendwann schloss man Abkommen der gleichrangigen Art. Ich habe eine Leitung da passt soviel Wasser äh Daten durch und ich tausche mit dir Daten umsonst aus, wenn du eine gleichgroße Leitung hast. Wenn die Leitung nur dünn, dann peerte man mit eben auch gleichrangigen Peeringpartnern. Wer eine 64kb Standleitung hatte peerte mit eben auch meist mit Leitungen der gleichen Qualität und irgendwann kamen dann Peeringpoints auf. Die Peeringspoint setzten Bedingung von Preis und Leitungsgröße und nur wenn du die gleichdicken Wasserleitungen hattest konntest du das Wasser äh Daten dann darüber verteilen. Irgendwann waren es dann 100Mbit und dann wurden es auch schon Gigabit. Die Telekom war lange nicht am DE-CIX sondern hatte ihren Anschlusspunkt in Ulm und zunächst wanderten die Daten aller Telekomkunden über Ulm. Das Wasser des Internets war der Telekom damals nicht wichtig, denn die hatten BTX und DATEX-P und andere schöne Datendienste und das Internet war irgendein komisches Wasser was der Telekom zunächst nicht schmeckte. Wer in Deutschland in das Internet wollte und nicht das Glück hatte an einer Universität zu sein, der zahlte dann teure Einwahldienste wie Compuserve um der Telekom Telefongebühren zu bezahlen und Compuserve für den Dienst. Das Wasser äh die Daten floss durch dünne Leitungen zum Endkunden und man zahlte dafür Telefongebühren. Der Datendienst war extra zu bezahlen. Die Menge des Wassers aber war rein durch die Leitungskapazität begrenzt. Sprich wer sein Wasserrohr an das DE-CIX anschloss hatte kein Wasserproblem. Das ist so wie wenn man großer Wasserverteiler ist und direkt am Wasserwerk sein Wasser für die Endkunden bezieht. Es war eigentlich egal wieviel Wasser darüber floss und ob es lila, gelbes oder rotes Wasser war. Das Wasser floss einfach durch bis die Leitung dicht war. Die Wasserrohre wurden im größer und die Backbones also das große Wassernetz im Hintergrund wurden die Leitung immer dicker und irgendwann gab es keine Engpässe mehr. Das Wasser konnte ungestört fliesen.

    Irgendwann ging dann schon mal ein großer Backboneprovider Pleite, weil seine Leitungen nicht genutzt wurden, das war vor ca. 10 Jahren, die Leitungen waren aber gebaut und die Wasserrohre blieben bestehen. Es gibt derzeit kein Problem mit der Dicke der Wasserrohre.

    Aufhebung der Netzneutralität ist nun das Wasser filtern zu wollen. Wenn es denn gelb gefärbt ist, dann soll es ein geringere Priorität erhalten, als wenn es rosa gefärbt ist. Klarerweise als erstes von denen, die damals noch nicht mitspielen wollten und ihre eigene Geschichte mit DATEX und BTX machen wollten.

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