Der Wahn von der „ständigen Bedrohung“

By | 9. Januar 2015

Nach dem Anschlag auf das französische Satire-Blatt Charlie Hebdo überschlagen sich unsere Politiker mal wieder mit Forderungen nach VDS und mehr Überwachung und schüren die Ängste der Bevölkerung.

Aber auch einzelne Journalisten wie Julian Reichelt, Chef bei BILD-Online, sprechen von einer „ständigen Bedrohung“. Herr Reichelt rechtfertigt sogar die Massenhafte Überwachung der NSA mit dieser angeblichen Bedrohungslage! Ich gebe Tilo Jung vollkommen recht, wenn er sagt dieser Wahn selbst sei auch Terror.

Terror ist „die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt“, so zumindest lautet die Definition bei Wikipedia. Wenn man also den Menschen Angst macht, es könne jederzeit und überall zu Terrorismus kommen, so ist dies definitiv eine Form des Terrors. Dass J. Reichelt dies anders sieht ist verständlich, schließlich ist dies für ihn und seine Kollegen bei derBILD Teil des Geschäftsmodells.

Die Bild macht gerne Angst. Ob nun vor Gewalt, Terror oder der „Islamisierung“ von Deutschland. Dabei ist ihnen kein Mittel zu schade. Man verzerrt Aussagen und setzt sie in einen anderen Kontext, und behauptet Christen sollen muslimische Weihnachtslieder singen. Oder man kreiert manipulative Umfragen, damit man behaupten kann, 50% aller deutschen hätten Angst vor dem Islam. Gerne erfindet man auch einfach Dinge, wie zum Beispiel den Islam-Rabatt.

Aber Terror ist nicht gleich Terrorismus. Erst wenn der Terror politisch motiviert ist, kann man von echtem Terrorismus sprechen. Wikipedia schreibt dazu:

Unter Terrorismus sind Gewalt und Gewaltaktionen (wie z. B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten oder Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen. Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Terroristen streben zwar nach Veränderungen der bestehenden Ordnung, doch greifen sie nicht militärisch nach Raum (wie z. B. der Guerillero), sondern wollen das Denken besetzen und dadurch Veränderungsprozesse erzwingen.

Terrorismus kann also nur dann erfolgreich sein, wenn wir uns durch ihn beeinflussen lassen. Und hier macht sich die BILD, zumindest fahrlässig, schuldig. So titelten die Redakteure in den letzten 8 Wochen unter anderem:

  • NEUER ISIS-SCHOCK! – Terror nur 300 Kilometer von Europa entfernt
  • VIDEO AUS MOSSUL – HIER zerstört ISIS ein Frauen-Kloster
  • LANGER KAMPF GEGEN ISIS – Warum die Terrorteufel so schwer zu besiegen sind
  • DREISTER HACKER-ANGRIFF – So zockten Salafisten-Betrüger Koffer voll Geld ab
  • KREUZIGUNG, STEINIGUNG, AUSPEITSCHUNG – Das Horror-Gesetzbuch der ISIS-Terroristen

Dies schürt natürlich die Angst unter den Lesern des Blattes, und verhilft den Terroristen zu ihrem Erfolg. ISIS und andere Organisationen wollen uns unserer Freiheit berauben. Aus Angst vor Terror sind viele bereit diese Freiheiten freiwillig aufzugeben. Tuen wir das, haben ISIS und Co gewonnen.

Wir brauche keine Massenüberwachung durch die NSA. Was wir brauchen ist weniger Angst und mehr Zuversicht. Wir können dem Terrorismus nur begegnen indem wir uns von ihm nicht verängstigen lassen. Viele Journalisten, Karikaturisten und Satiriker verspotten die Täter des Anschlages in Paris, oder zeigen eine beeindruckende jetzt-erst-recht Mentalität. Das ist nach meiner Meinung der einzig richtige Weg.

Wenn nun also ein Julian Reichelt Snowden die Schuld an dem Anschlag in Paris gibt, und dabei die Tatsache, dass die Behörden in Frankreich längst alarmiert waren, und die Täter längst überwacht wurden, komplett ausblendet, dann darf er sich nicht darüber beklagen, dass Tilo Jung dies mit Terror vergleicht.

Ich empfehle Herrn Reichelt hiermit, sich das Video „Wir lieben Überwachung“ anzusehen. Ach wenn ich wenig Hoffnung habe, dass jemand wie er versteht, warum es falsch ist die eigene Freiheit aufzugeben, für Überwachungssysteme die nicht helfen.

 

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