Das mit der Polyamorie

By | 4. März 2015

Ich lebe polyamor, habe also zeitgleich mehrere feste Beziehungen. Nach meiner Ansicht liegt diese Art zu leben in der menschlichen Natur.
Doch viele denken anders. Immer wieder stoße ich mit meiner Einstellung zur Liebe auf Unverständnis, Intoleranz und teilweise sogar Hass.

Ich versuche hier einmal die häufigsten Argumente, die ich zu hören bekomme, aufzuführen und zu entkräften.

Aber der Mensch an sich(sic!) ist monogam!

Anthropologen gehen davon aus das 50%-80% aller „ursprünglichen“ menschlichen Völker nicht monogam lebten. Dies änderte sich erst mit dem Beginn des Ackerbaus.

Die Alphamännchen scharrten möglichst viele Weibchen um sich, schwächere Männchen hatten das nachsehen.

Der Evolutionstheoretiker und Mathematiker Sergey Gavrilets hat mit Hilfe von Mathematik versucht herauszufinden wie der Wechsel von der Polygamie zur Monogamie ausgelöst wurde. Er vermutet, die schwachen Männer haben versucht mit Qualitäten wie Fürsorglichkeit, mögliche Partenerinnen zu umwerben. Die Frauen begannen die Fürsorgliche Männer vorzuziehen. Dauerhafte Beziehungen erhöhten die Überlebenschancen des Nachwuchses.

Dieser Vorteil ist jedoch längst wieder entfallen.

Man kann doch nicht mehrere Personen so lieben wie wenn man nur einen Partner hat!

Liebe ist nichts was man „aufbrauchen“ könnte. Liebe ist ein Gefühl! Ich denke jeder hat doch auch mehr als eine Person die er hasst. Nur weil ich jemand weiteres kennen lerne in den ich mich verliebe, verschwinden doch nicht die Gefühle die ich für meine(n) anderen Partner empfinde.

Aber bei so was kommt doch immer einer zu kurz!

Nein, wieso? Ich denke, eher das Gegenteil ist hier der Fall. Wenn z.B. in einer monogamen Beziehung einer der Partner einen sexuellen Fetish des Anderen nicht teilt kann das ein Problem werden.
Polyamore Menschen haben das Problem oftmals nicht. (Einer der Partner wird es schon mögen ^^)
Ich bin ein sogenannter „Switcher“. Switcher sind BDSM’ler die zwischen der dominanten und der devoten Rolle wechseln. Bei mir steht die Rollenverteilung innerhalb einer Beziehung oft fest,
also ich bin gegenüber dem Partner immer devot oder immer dominant. Nur selten kann ich alle meine Bedürfnisse mit nur einem Partner befriedigen.

Ich mag dieses rumgeficke nicht!

Das ist gut, ich auch nicht. Ich kann es nur noch mal betonen: Polyamor – da steckt das Wort Liebe mit drinn.

Aber das ist eine Sünde!

Hach, Religionen! Wenn man in das alte Testament schaut findet man einige Nachweise für Polygamie:

  • Abraham 3 Frauen – Genesis 16:1, 16:3, 25:1
  • Moses 2 Frauen – Exodus 2:21, 18:1-6
  • Jakob 4 Frauen – Genesis 29:23, 29:28, 30:4, 30:9
  • David mind. 18 Frauen – 1. Buch Samuel 18:27, 25:39-44; 2. Buch Samuel 3:3, 3:4-5, 5:13, 12:7-8, 12:24, 16:21-23
  • Salomon 700 Frauen – 1 Buch der Könige 11:3

Alle diese Personen sind von Christentum, Judentum und dem Islam anerkannt. Wenn es eine Sünde ist, dann solltet ihr mal darüber Nachdenken an was ihr dann glaubt.

Wie kannst du nur deine(n) Freund(in) teilen?

Teilen würde vorraus setzen das er oder sie mir gehört. Besitzansprüche an Menschen zu stellen hat aber eher etwas von Sklaverei als einer Beziehung. Dein Partner gehört der nicht. Er alleine hat die Hoheit über einen Körper und Geist (wenn wir mal div. BDSM Beziehungsformen ignorieren ^^)

Du machst das nur, weil du Bindungsangst hast / keine dauerhafte Beziehung führen kannst / <insert_bullshit_here>!

Es mag überraschen, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich habe keine Angst vor Bindungen. Ich kann sogar mehrere gleichzeitig eingehen. Und die Beziehungen halten in der Regel länger als bei Monogamie.

Bei einer Polyamorie-Studie von Melissa Mitchell waren die 1000 Befragten im Schnitt bereits seit 9 Jahren in einer Beziehung. Monogame Beziehungen halten im Schnitt ca. 4 Jahre!

 

 

Oftmals gewinnt man bei diesem Thema auch das Gefühl das Polygamie (Vielweiberei) eher akzeptiert wird als Polyamorie.
Oder anders: Wenn Er mit vielen Frauen fickt ist das in Ordnung, wenn Sie das tut ist sie eine Schlampe. Auch in der Bibel findet man keine Hinweise auf echte Polyamorie.
Den „Luxus“ von mehreren Partnern haben dort nur die Männer. Das empfinde ich persönlich als noch größeren Bullshit als das bloße ablehnen von Polyamorie.

2 thoughts on “Das mit der Polyamorie

  1. Mohs

    Es gibt noch einige Fragen bei dem Thema, mit denen sich Menschen die das nicht (oder noch nicht) für sich angenommen haben befassen:
    Wie funktioniert das im Kontext unserer Gesellschaft? Musst du deinen Partnerinnen erst erklären wie sich das verhält? Wie reagieren sie da drauf?
    Wie ist das mit Kindern? Einerseits die rechtlichen Umstände, andererseits der Austausch mit den Kindern (nicht nur, aber auch über dieses Thema)

    Reply
    1. Loki Post author

      Leider ist unsere Gesellschaft immer noch sehr prüde. Polyamorie ist noch weit davon entfernt als „normal“ betrachtet zu werden.
      Natürlich muss mein neue Partner darüber aufklären. Vor allem die Kommunikation innerhalb einer solchen Beziehung ist wichtig. Misstrauen und Eifersucht lassen sich nur mit Offenheit verhindern.
      Wenn sich polyamore Frauen dafür entscheiden Kinder bekommen zu wollen, so wird meist ein Vater ausgesucht. Die Kinder haben genau einen Papa, der biologische. Andere Partner sind dann eben Freunde oder Onkels.
      Rechtlich ändert sich nichts zu einer monogamen Beziehung ohne Ehe.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.