Google, Datenschutz und noch eine Analyse …

By | 16. Februar 2012

Am 01.03.2012 wird die neue Google Datenschutzerklärung in Kraft treten. Für viele Blogs und Seiten Grund genug diese zu Analysieren und aller Welt zu erzählen das Google so böse wäre.  Da lass auch ich mich nicht Lumpen und erzähl euch mal was ich über die Datenschutzerklärung und die Reaktionen im Netz so denke.

Fangen wir doch einfach mal mit der üblichen Kritik an, die an dem Dokument getätigt wurde. Eine übliche Floskel ist „Wir erfassen möglicherweise Informationen …“. Viele kritisieren, man wüsste ja gar nicht was gespeichert wird. Nun ja, gehen wir doch einfach vom Maximum aus.  Diese Datenschutzerklärung wird für alle Google Dienste gelten. Aber nicht jeder Dienst ist überhaupt geeignet um alle Daten zu erfassen. Und auch eine Erfassung oder Verarbeitung von verschiedenen Informationen ist nur unter bestimmten Umständen notwendig. Dies könnte man auch als Datensparsamkeit ansehen.

Allgemein ist festzustellen: Die meisten Leute sind zu blöd oder zum faul zu lesen. Viele stellen die als „schwammig“ oder „nicht eindeutig“ haben einen Link zur Google Datenschutz FAQ. Dort findet man, leider nicht für alle Punkte,  mehr Details.

Aber nun zum eigentlichen Text. Ich habe weder Zeit noch Lust hier den gesamten Text des Dokumentes zu kommentieren, daher gehe ich hier nur auf die Passagen ein, welche entweder mich stören, oder wo die Analysen von div. Anwälten und Bloggern mich einfach zur Weißglut treiben.

 

Erhobene Informationen

Zugegeben, das Google bei den gerätebezogenen Informationen nur Beispiele nennt, ist nicht schön, aber dies ermöglicht keineswegs das gesamte Betriebssystem inkl. jeglichen Dateisysteminhalts zu scannen und auszuwerten. Dies wären keine gerätespezifischen Informationen. Und es wird nun mal nicht von der Erhebung von systemspezifischen Daten gesprochen.

Bei den Protokolldaten wird es etwas ausführlicher: Google stellt hier zunächst mal EXAKT klar welche Informationen eine Serverlogfile für einen Seitenaufruf enthält. Und nicht wie viele behaupten „nur Beispiele“. Zugegeben man muss auf den Link von „Serverprotokoll“ klicken um in die FAQ und die Ausführliche Erklärung zu gelangen, aber das sollte jeder schaffen, der sich zutraut über die DaSchu nen Rand abzulassen.
Beim zweiten Unterpunkt der Logfiles musste ich auch erst mal stutzen: Google möchte außerdem Details über Telefongespräche erfassen. Wollen die etwa die Logs von den Android Telefonen haben? NEIN! Es geht hier alleine um Serverseitige Logfiles. Und jeder der sich über die Erhebung dieser Daten aufregt: Was speichert wohl euer Handy- oder Festnetzanbieter über eure Telefonate? Richtig! Die selben Daten, irgendwie muss man ja abrechnen! Ok, wie lange die Daten aufgehoben werden hätte man ruhig direkt mal erwähnen können.

Nun kommt meine Kritik an der Datenschutzerklärung: Das standortbezogene Dienste eine möglichst genaue Erfassung der Position des Nutzers erfordern sollte allen klar sein. Aber was zum Teufel will Google mit den privaten WLAN Netzen, erst StreetView, dann das?

So weit zur Datenerfassung. Ich bin der Ansicht das hier nicht wie alle behaupten Google alles „speichert was es kriegen kann“ sondern die erhobenen Daten meist für die direkte Nutzung des Dienstes erforderlich sind.  Die anderen Informationen sind rein statistisch, aber dazu später mehr.

 

Datenverarbeitung

Wir nutzen die im Rahmen unserer Dienste erhobenen Informationen zur Bereitstellung, zur Instandhaltung, zum Schutz sowie zur Verbesserung dieser Dienste, zur Entwicklung neuer Dienste und zum Schutz von Google und unseren Nutzern.

Also: Google macht mit den Daten alles was irgendwie einen Sinn ergibt um dem User eine bedienbare, stabile, schnelle (und für Google rentable) Sammlung von Dienstleistungen zu liefern.

Außerdem werden die Daten zur Personalisierung von Suchergebnissen genutzt, find‘ ich eher praktisch als schlimm. Denn je besser meine Ergebnisse personalisiert sind, umso schneller finde ich das was ich suche.

Dann folgt in dem Dokument erst mal die Erklärung, dass in Zukunft all die Konten die man für die verschiedenen Dienste benötigt hat in einem zentralen Konto vereint werden. Wer dabei nicht versteht, dass es hier nicht um das zusammenführen von verschiedenen Google Konten einer Person mit unterschiedlichen Logindaten sondern um das zusammenführen eben der etlichen Sub-Profile die man für z.B Google Analytics, Picasa usw benötigte. Möglicherweise sind dort eben verschiedene Namen hinterlegt, diese werden vereinheitlicht. Also wieder kein wischi-waschi …

Wenn andere Nutzer bereits über Ihre E-Mail-Adresse oder andere Sie identifizierende Daten verfügen, werden wir diesen Nutzern gegebenenfalls die öffentlich zugänglichen Informationen Ihres Google-Profils, wie beispielsweise Ihren Namen und Ihr Foto, anzeigen.

Lieber Herr Ferner, ja Google möchte hier eine Personensuche einrichten, die existiert sogar schon und nennt sich Google+, und bietet eben, wie Facebook und Co. auch, die Möglichkeit über email-Adressen bekannte wieder zu finden. Dies ist eine Kernfunktionalität von Sozialen Netzen.

Es wird in der Datenschutzerklärung auch mitgeteilt das die erhobenen sensiblen personenbezogenen Daten nicht mit anderen anonym erfassten Daten z.B. zum optimieren der Suchergebnisse, verknüpft werden. Dies ist meiner Ansicht nach vorbildlich. Das hier die politische Einstellung nicht erwähnt wird stößt auch mir sauer auf, die müsste auf jeden Fall dazu. Jedoch ist dies in der FAQ aufgeführt, also auch das eigentlich kein Problem.

Das im Rahmen der Profilzusammenführung auch die Personenbezogenen Daten der bislang produktspezifischen Profile zusammengeführt werden, ist ein nicht unbedingt das beste im Sinne des Datenschutzes, lässt sich aber vermutlich kaum vermeiden, wenn man wirklich ein Profil für alles nutzen will.

 

Transparenz und Wahlmöglichkeit

Sehr gut finde ich das Google Dashboard, welche im eigenen Profil gespeicherte Informationen anzeigt, und die Möglichkeit des Löschens anbietet.

 

Aktualisierung Ihrer personenbezogenen Daten

Wir sind bestrebt, unsere Dienste auf eine Art und Weise bereitzustellen, durch die die Daten vor zufälliger oder mutwilliger Zerstörung geschützt sind. Aus diesem Grund löschen wir möglicherweise verbliebene Vervielfältigungsstücke von Daten, die Sie aus unseren Diensten gelöscht haben, nicht sofort von unseren aktiven Servern und entfernen diese Daten nicht von unseren Sicherungssystemen.

Also das mag für den nicht-IT’ler nach „wir speichern so lange wir wollen“ an. Aber was Google hier sagen will ist: „Um bei Ausfällen und Störungen von produktiven Systemen schnellst möglich die Dienste weiter anzubieten halten wir Systeme mit verzögertem Datenbestand sowie Datensicherungen auf Bändern bereit. “ Wünschenswert wäre jedoch auf jeden Fall eine Aussage wann denn nun spätestens die Löschung erfolgt.

weitergegebene Informationen

Klar hervorgehoben: Keine personenbezogenen Daten werden an dritte weitergegeben, es sei denn:

  • Es liegt eine ausdrückliche Zustimmung des Nutzers vor
  • Für die Verarbeitung durch dritte im Auftrag von Google (üblich in der IT, keiner kann alles alleine)
  • wenn Google glaubt dies sei Rechtlich notwendig.

Der letzte Punkt ist wirklich schwammig. Mich würde ja brennend interessieren welche Daten in welchen Fällen weitergegeben werden. Aber vermutlich könnte Google mit dieser Klausel alle personenbezogenen Daten wegen dem Verdachts der Beleidigung weiter geben. Die Frage ist nur an wen. Auch bei Urheberrechtsverletzungen werden möglicherweise von Google Daten an die Anwaltsschwärme der Content Mafia weitergereicht, denn an wen diese Daten im Rechtsfall übermittelt werden, steht da auch nicht.

 

Mein Fazit

Alles in allem will Google einen ordentlichen Mix aus Datenschutz und ein Maximum an Gewinnschöpfung betreiben. Und wer was anderes erwartet hat, sollte besser JETZT den Rechner ausmachen, und ihn auf ewig aus lassen. Ich meine, irgendwie müssen die sich finanzieren und Gewinne erwirtschaften oder?

Jedoch ist das enorme Profil das im laufe der Zeit von einem ersteht durchaus ein Problem. Dies weckt Begehrlichkeiten bei diversen Personen und Organisationen die mit Datenmissbrauch Geld verdienen. Und auch Google könnte durch eine Änderung der Datenschutzerklärung diese Daten nutzen. Da man bei Änderungen jedoch aktiv zustimmen muss, hätte man noch die „Notbremse“ Ablehnen-Button.

Und was die diversen anderen Analysen betrifft:

Wie bereits zum Anfang erwähnt: Lesen und Denken hilft ungemein.

Und dann waren noch diese ganzen „Like“ Buttons unter den Anti Datenschutz Rands. Ohne 2-Click Schutz. Also dass Ding, was Facebook nutzt um Bewegungsprofile von allen Usern anzulegen, auch denen die noch keinen Facebook Account haben. Und sich dann über die Datenschutzerklärung von Google aufregen …

So long …

Euer Loki

2 thoughts on “Google, Datenschutz und noch eine Analyse …

  1. Marcus

    Man kann natürlich auch fragen, wie viel Profit wäre denn eigentlich für Google angemessen? Müssen wir alles hinnehmen nur weil der Konzern Milliarden horten will?

    Reply
    1. Loki Post author

      Natürlich hat alles irgendwo sein Limit. Facebook geht meines Erachtens zu weit, denn der Handel und das „Eigentumsrecht“ mit und an unsere personenbezogenen Daten ist ein großes Problem.

      Interessant wäre aber wirklich zu wissen wie viel Gewinn Google mit unsere Daten erwirtschaftet.

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.